Die Steigerung von ‘Political Correctness’
17.03.2011
Neulich soll Til Schweiger in einer Talkshow gesagt haben “Unser Gutmenschentum kotzt mich an” oder so ähnlich. Ich habe es leider nicht gesehen, hätte sonst vor Begeisterung in die Hände geklatscht.
Heute früh lese ich, dass der als Entführer und Kindesmörder überführte Magnus Gäfgen Schmerzensgeld eingeklagt hat, weil er durch die in den Vernehmungen erfolgten Drohungen traumatisiert (!) worden sei. Schmerzensgeld für arme gequälte Seele des Mörders? Er will auch den Prozess neu aufgerollt haben, weil seine Geständnisse erzwungen worden seien. Dass Gäfgen zweifelsfrei und in vollem Umfang schuldig ist – er hatte die Polizei zum Tatort bzw. dem Versteck der Kinderleiche geführt – scheint dabei keine Rolle zu spielen, auch nicht in der Betrachtung durch manche Politiker und Teile der Öffentlichkeit.
Man kann sich nun denken: “Wer Kinder entführt und tötet, muss sowieso ein krankes Hirn haben” und zur Tagesordung übergehen.. Aber dass zum Beispiel der ehemalige Justizminister v. Plottnitz (Die Grünen) beklagt, dass der damals verantwortliche Polizeichef und der vernehmende Beamte mit zu leichten Strafen davongekommen seien, stellt das Recht auf den Kopf. Beide hatten damals davon ausgehen müssen, dass der Junge noch lebt und noch gerettet werden kann und hatten Schmerzen angedroht – nicht etwa angewandt!
Deutschland ist eigentlich ein sehr erfolgreicher Staat. Aber seine Zivilgesellschaft leidet an eben diesem wohlfeilen Gutmenschentum. Es springt einen überall und täglich an. Und Medien tun ihr Bestes, diese Entwicklung zu verstärken.
Angefangen hat es mit der ‘Political Correctness’. (Wahrscheinlich hätte ich ein neutrales Wort für ‘Kindermörder’ finden müssen. Mörder hört sich ja ziemlich diskriminierend an.) Inzwischen sind wir deutlich weiter. Das über Jahrtausende entwickelte spontane Empfinden für ‘richtig’ und ‘falsch’ wird systematisch ruiniert.
Wir haben uns daran gewöhnt, dass der Beifall von der falschen Seite kommt.
Dr. Armin Jäkel







