Parodontitis beeinflusst Gehirn

27. Februar 2014

Endlich mal eine gute Neuigkeit!  Die Ausrede des Jahrhunderts könnte sein: „Ich bin nicht dusselig, habe mir heute nur noch nicht die Zähne geputzt!“

Spaß beiseite! Tatsächlich hat die University of Central Lancarshire in einer aktuellen Studie an Gehirnen verstorbener Demenzpatienten das Bakterium Porphyromonas Gingivalis nachgewiesen. Bei einschlägig erkrankten Menschen gelangen die Keime offenbar über die Blutbahn dorthin und setzen über das Immunsystem chemische Stoffe frei, die wichtige Neuronen zerstören und zu Alzheimer-typischen Strukturen führen.

Dr. Armin Jäkel

 Quelle: BDIZ EDI Aktuell / University of Central Lancarshire

„Murks im Mund“

In einem neu erschienenen Buch* setzt sich die Journalistin Tanja Wolf mit Missständen in der Zahnmedizin auseinander – und zwar sehr detailliert und gründlich. Sie beschreibt dabei 11 Missstände in knapper gut leserlicher Form. Dabei sind Kernsachverhalte farblich markiert besonders herausgehoben.

Die Beschäftigung gerade mit der Zahnmedizin hat im deutschen Journalismus Tradition. Immer wieder erscheinen Berichte über Tests in Zahnarztpraxen, die bei Standesfunktionären lautes Protestgeschrei, im allgemeinen Publikum Erstaunen bis Entsetzen auslösen. Insider schütteln nur den Kopf. Sie haben sich an haarsträubende Ergebnisse gewöhnt. Sie sind jederzeit vorhersagbar.
Tanja Wolf hat keine Praxistests machen lassen, aber den Gesamtkomplex „Zahnheilkunde in Deutschland“ unter allen Aspekten und bezogen auf alle Beteiligten so gründlich erforscht, wie ich es bislang nicht gesehen habe. Ihre Kritik ist intelligent und klar formuliert. Im abschließenden Kapitel Bilanz wird erkennbar, in welch hohem Ausmaß die Standespolitik versagt.

Warum ?
Für TruDent® stellt sich bei jeder Bewerbung die Frage „Passt die Praxis von ihrer Leistungsfähigkeit her in das Qualitätssicherungskonzept?“  Und: „Wie viele Praxen in Deutschland können Sie als Partner akzeptieren?“ Befragte Berufskollegen antworten fast unisono: 10 %, und wenn sich weitere 10 % etwas bemühen, passen sie auch rein.“
Das bedeutet, dass die große Mehrheit der Praxen nicht in ein anspruchsvolles Qualitätssicherungskonzept passt, dies offenbar auch nicht will.
Zahnärztliche Standespolitiker werden aber von der Gesamtheit aller Zahnärzte gewählt. Daher der unübersehbare Trend, die Masse der unwilligen Kollegen zu schonen, ihnen Mühe, Arbeit und Fortbildung zu ersparen. Die Geschichte der verfassten Zahnheilkunde ist ein unentwegter Kampf gegen „Zumutungen“ aus dem politischen oder öffentlichen Raum. Fortbildungspflicht, Qualitätsmanagement, Delegationsmöglichkeiten für Prophylaxe und andere Themen wurden systematisch so lange bekämpft, bis sich Kammern und KZVen nicht mehr wehren konnten und nachgaben. Danach haben sie die Themen jeweils selbst besetzt und so gut es ging verwässert. Zum Beispiel haben sie durchgesetzt, dass das inzwischen erforderliche Qualitätsmanagement in den Praxen nicht zertifiziert werden muss. Seitdem kann jede Praxis ein QM-Handbuch aus dem Regal holen und vorzeigen. Mit tatsächlichem QM hat das nichts zu tun.
Ein bizarres Beispiel sind auch Fortbildungspunkte, die aus dem Bezug der „Zahnärztlichen Mitteilungen“ entstehen, die jeder Zahnarzt zeitlebens ungefragt zugesandt bekommt.
Es ist also ganz natürlich und folgerichtig, dass die qualitäts- und kontrollscheue Berufspolitik solche Missstände produziert.
Die Europäische Kommission hat das Thema offenbar seit Jahren erkannt und will das System der deutschen Körperschaften abschaffen – aus eben diesem Grund. Dort ist man der Ansicht, dass es nicht dem Wohl der Patienten dient sondern dem seiner Mitglieder.

Dr. Armin Jäkel

* Riva Verlag, ISBN 978-3-86883-364-5


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OVG NRW zur Befreiung vom zahnärztlichen Notfalldienst

18. Februar 2014

Mit Beschluss vom 04.06.2013 (Az.: 13 B 258/13) hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster im Rahmen eines Eilverfahrens zur Frage der Befreiung einer Zahnärztin vom zahnärztlichen Notfalldienst aus gesundheitlichen Gründen Stellung genommen. pdf-Datei zum Thema – Rechtsanwälte Ratajczak & Partner

Landgericht Detmold zur Aufklärungspflicht des Zahnarztes über Zusatzkosten

Das Landgericht (LG) Detmold befasste sich mit Urteil vom 18.06.2013 (Az.: 1 O 230/12) in einem auf Zahlung des Zahnarzthonorars geführten Rechtsstreit gegen den Patienten mit dem nicht selten vorgebrachten Einwand, der Zahnarzt habe vor Leistungserbringung nicht genügend über zusätzliche Kosten aufgeklärt. pdf-Datei zum Thema – Rechtanwälte Ratajczak & Partner