Für mehr Wettbewerb in der (Zahn)medizin

29. Mai 2015

Was uns heute als selbstverständlich erscheint, nämlich den Patienten sinnvolle Orientierung zu bieten, etwa durch die geprüften Qualitätsstandards von TruDent, war zunächst heftig umstritten – nie in der betroffenen Öffentlichkeit, aber immer bei Vertretern der Körperschaften. Die Behauptung, die deutsche (Zahn)medizin sei hervorragend und alle Beteiligten auf einem außerordentlich hohen Leistungsstandard, sollte unbedingt aufrechterhalten werden. Das deckte sich aber weder mit meinen Erfahrungen noch mit denen anderer Zahnärzte, die auf die kollegiale Frage „Wie viele Praxen arbeiten wirklich gut?“ regelmäßig mit einer überraschenden Prozentzahl antworteten. Die lag bei ungefähr zehn, manchmal ergänzt durch die Bemerkung, dass weitere zehn Prozent auch wirklich gut sein könnten, wenn sie sich denn anstrengen wollen. Das hat mich verblüfft – tut es auch heute noch. So viel Realitätssinn hätte ich nicht erwartet.

Mediziner sind auch nur Menschen

Dabei kann jeder denkende Mensch Vergleiche mit beliebigen Berufsgruppen ziehen. Auch dort gibt es groteske Qualitätsunterschiede – bei Managern, Malern, Rechtsanwälten, Bauern und Pastoren. Das ist normal, denn Menschen sind nicht gleich ausgestattet mit Intelligenz, praktischem Geschick, Tatkraft, Fleiß, Fairness und dem Eigenantrieb zu guter Leistung. Auch nicht mit dem gleichen Maß an Verantwortungsbewusstsein. Die Vorstellung, dass mit einem medizinischen Staatsexamen quasi ein Wunder geschieht und der weiße Kittel einen neuen Menschen hervorbringt, entspricht einfach der Hoffnung betroffener Patienten, dass es so sein möge. Denn qualitative Unterschiede können sie nicht erkennen.

Umso wichtiger ist es, Spezialisierungen, nachweisbare Qualitäten und andere beurteilungsrelevante Aspekte erfahren zu können. Dafür setzt sich TruDent ein: Wir suchen Praxen aus, die bereit sind, ihre Qualitätsstandards regelmäßig extern prüfen zu lassen und dem Patienten weitere Garantien und Möglichkeiten einzuräumen, sich ein eigenes Bild von der zu erwarteten Behandlungsqualität zu machen. Daran binden wir sie vertraglich. Dazu gehören unter anderem jährliche Nachuntersuchungen von behandelten Patienten, eine strenge Kontrolle der Fortbildungstätigkeit und auch eine verdreifachte Garantie für Zahnersatz.

Wettbewerb in der Medizin muss sein

Das sind essentielle Vorteile, die Patienten doch wissen sollten, oder? Zahnärztliche Körperschaften möchten aber nicht, dass solche Gedanken Verbreitung finden. Das kann ich gut verstehen, denn Körperschaftsvorstände werden von der Allgemeinheit der Zahnärzte gewählt – analog zu unserem politischen System. Doch der Ausschluss von Wettbewerb im Bereich der Medizin war immer schon ein eklatanter Fehler! Er benachteiligt Patienten und fördert die falschen Praxen. Doch die Situation hat sich inzwischen geändert. In mühsamen Prozessen bis hinauf zu den Bundesgerichten hat TruDent eine langsame Veränderung erreichen können.

Dr. Armin Jäkel

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